Die Alexander-Morde, im Dezember 1970

Ritualmord an deutscher Familie auf Teneriffa

Von links: Dagmar, Petra und Marina Alexander Quelle: Der Spiegel, Heft 14/1972, S. 92
Von links: Dagmar, Petra und Marina Alexander Quelle: Der Spiegel, Heft 14/1972, S. 92

Am 16. Dezember 1970 ermordeten der 39-Jährige Harald Alexander und sein 16-Jähriger Sohn Frank, die 41-Jährige Ehefrau und Mutter Dagmar Alexander und die beiden Töchter und Schwestern, die 18-Jährige Marina und die 15-Jährige Petra. Den Opfern wurden die Herzen und Genitalien mit einer Gartenschere und Kneifzange herausgeschnitten und neben den Leichen auf dem Boden abgelegt. Nur die 15-Jährige Tochter Sabine überlebte das Massaker, weil sie zur Tatzeit nicht zu Hause war.

 

Hamburg

Bis 1956 wohnte die Familie Alexander in dem Dorf Eckel im Kreis Harburg bei Hamburg. Vater Harald, Maurer von Beruf,  fiel nie großartig auf, war nicht laut und mied Bier. Er fiel eher durch seine Unauffälligkeit auf, als durch irgendwelche Besonderheiten. Harald war ein gottesfürchtiger Mann und schloss sich der Lorber-Gesellschaft (Die Lehren des Mystikers über die "Fortentwicklung im Jenseits" ) an, nachdem er Anfang der 60er Jahre den Lorber-Interpreten Riehle mehrfach in Dresden besuchte und lange Gespräche mit ihm führte. Als 1954 Sohn Frank geboren wurde, wurde eine Prophezeihung  war: die Geburt des lang ersehnten Messias. Bereits mit 16 Jahren gab Frank den Ton im Hause Alexander an. Keine seiner Entscheidungen und Handlungen wurde in Frage gestellt. Frank konnten mit Mädchen in seinem Alter nichts anfangen und empfand sie als schmutzig. Angeblich soll er mit Billigung seines Vater, inzestuöse Beziehungen zu seiner Mutter und seinen Schwestern unterhalten haben.

 

Teneriffa

In Santa Cruz lebten die Familie zurückgezogen in einem Vierzimmer-Appartement der Strasse Jesùs Nazareno Nr. 37. Die Mutter spielte Harmonium und die Kinder sangen dazu. Frank war auch sehr gottesfürchtig und über seinem Bett hing der Spruch:  "Laß Dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig". Oft hielt er Zwiesprache mit Gott, träumte vom Erzengel Gabriel oder sprach gemeinsam mit Vater Harald über das Leben nach dem Tode.

 

Der auf Teneriffa ansässige deutsche Arzt Dr. Walter Trenkler nahm die Zwillingsschwestern Petra und Sabine als Hilfe in seinem Haushalt auf. Ein weiterer Freund der Familie, in der niemand spanisch sprach, war der Hamburger Psychotherapeuten Dr. Udo Derbolowsky, der ganz in der Nähe, des neu erworbenen Grundstücks der Familie, eine Ferienwohnung besaß.

Ob die Einwanderer auf Teneriffa  Verbindungen zu religiösen oder okkultistischen Zirkeln aufgenommen hatten, konnte nicht geklärt werden.

 

Tat

Geschehen war die Tat am 16. Dezember 1970 nach dem Mittagessen. Vater Harald Alexander hatte sich gerade aufs Bett gelegt, Sohn Frank und die Mutter saßen auf der Bettkante.Frank gab später zu Protokoll, dass ihn seine Mutter so merkwürdig angesehen hätte. Der Junge schrie auf: "Der Teufel ist in meiner Mutter." Und da vernahm Vater Harald, wie er später dem Psychiater sagte, die Stimme eines Geistes: "Gehorche deinem Sohn." Er gehorchte.

 

Eine Stimme befahl dem Sohn seiner Mutter genau 72 Schläge auf verschiedene Körperteile zu verabreichen. Daraufhin schlugen Vater und Sohn genau 72 mal auf die Mutter und Ehefrau ein, bis sie starb. Jedoch drückte die Sterbende nicht Ergebenheit aus, sondern zunehmend Freude und Seligkeit - untrügliches Zeichen für den Erfolg des Exorzismus. Nach dem Tod seiner Frau hörte Harald den Erzengel sagen: "Seid ruhig, sie ist vom Teufel befreit gestorben und erwartet euch im Himmel". Dann erteilte Frank seinem Vater den Befehl, in ein anderes Zimmer zu gehen, weil auch seine Schwestern verhext seien. So geschah es, und sie wiederholten die Tortur der Mutter an den beiden Mädchen. Sie schlugen ihr Opfer mit Kleiderbügeln und einer Wasserwaage.

 

Allen Opfern wurden Herz und Genitalien herausgeschnitten. In eines der Herzen ritzten sie ein Kreuz. Später gestand Frank, dass, es schwer war, die Rippen zu zerknacken und er und sein Vater hätten mit den Füßen nachgeholfen. Vater und Sohn zerstückelten und zerfetzten die Leichen der Toten mit Küchenmessern, Gartenscheren und Brechstange.

 

Nach der Tat

Nach der Tat wuschen sich Vater und Sohn und wechselten die Kleidung. Sie wollten fliehen, hatten jedoch vorher in einem Anfall von Wahn die Pässe zerstört. Also fuhren sie in den Süden nach Los Cristianos, um dort den befreundeten deutschen Psychiater Udo Debolsky aufzusuchen, der jedoch nicht anwesend war. Sie verweilten eine Weile auf dem von ihnen erworbenen Grundstück und kehrten dann nach La Laguna zurück, um den befreundeten Arzt Dr. Trenkel aufzusuchen, um mit der anderen Tochter Sabine zu sprechen, die dort ihrer Arbeit nachging. Sie erklärten Sabine die unausweichlichen Morde, welche das Mädchen sofort akzeptierte. Zufällig wurde Dr. Trenkel Zeuge des Gespräches und informierte das deutsche Konsulat. Daraufhin wurden beide, ohne Widerstand zu leisten, von der Polizei verhaftet. Die Polizei machte eine Hausdurchsuchung und fand ein Massaker vor. Das Blut war bis an die Decke gespritzt und die 3 Leichen ausgeweidet.

 

Gerichtsverhandlung

Vater Harald machte sich keinerlei Sorgen um seinen Sohn Frank, da dieser von höherer Stelle geleitet wurde. Laut dem Hamburger Gerichtsmediziner Professor Jürgen Schröder handelte es sich um eine Tat aufgrund religiös eingefärbter Wahnvorstellungen.

 

Die Polizei konnte keinerlei Spuren von Gegenwehr entdecken. Vater und Sohn konnten so gut wie kein spanisch und konnten der Gerichtsverhandlung so gut wie gar nicht folgen. Harald Alexander war erblich vorbelastet durch die Geisteskrankheiten bei Vater und Großvater. 15 Jahre vor der Tat, hatte er seine Arbeit im elterlichen Betrieb aufgegeben, weil es ihm der Erzengel Gabriel befohlen hatte.  Seinerzeit hatte er "12 Töne mit verschiedener Bedeutung" wahrgenommen. Der Erzengel Gabriel hatte ihm erklärt, dass er berufen sei, das Königreich Davids wieder zu errichten, er solle sich rein halten und jede Tätigkeit meiden - ausgenommen Maurerarbeiten. 1970 befahl ihm der Erzengel Gabriel mit seiner gesamten Familie von Harburg nach Teneriffa, der Insel der Seligen überzusiedeln. Kurz zuvor hatte die Familie eine kleine Erbschaft angetreten und wollte sich im Süden Teneriffas ein Grundstück kaufen. Das Harmonium der Ehefrau erbte Harald von seinem Freund Riehle, nach dessen Tod. Mit der Zeit wurde der Hass auf Frau und Töchter immer größer und die Liebe zu seinem Sohn Frank stieg ins Unermessliche. Schließlich teilte er sich mit seinem Sohn das Zimmer. Den Psychiatern zufolge ein unterdrückter homosexueller Komplex. Bei Vater Harald Alexander wurde Schizophrenie diagnostiziert. Die ganze Familie war einem Gruppenwahn unterlegen.

 

Das Urteil

Die ganze Gerichtsverhandlung hatte nur 4,5 Stunden gedauert. Der Staatsanwalt hatte die Todesstrafe für Harald und 20 Jahre für Frank gefordert. Letztendlich wurden jedoch beide in einer Heilanstalt untergebracht.

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