Die Kanarischen Inseln und ihre Verbindung zu Venezuela

Venezuela wird auch die achte Kanarische Insel genannt.

Die Entdeckung der neuen Welt

Mit der Entdeckung der neuen Welt bekamen die Kanarischen Inseln eine wichtige Bedeutung auf dem Weg nach Amerika. Christoph Columbus machte auf La Gomera seine letzte Zwischenstation, bevor er am 6. September 1942 den Seeweg nach Indien suchte und Amerika entdeckte. Auf seiner zweiten Reise nach Amerika machte der Entdecker auf El Hierro halt, bevor er am 3. Oktober 1943 in die Neue Welt segelte. In den Jahren von 1492 und 1506 starteten mindestens 12 wichtige Expeditionen von La Gomera und Teneriffa aus.

 

Die Emigration der Canarios

In den folgenden 500 Jahren seit der Entdeckung Amerikas, bis in die 50er Jahre, wanderten immer wieder Bewohner der Kanarischen Inseln nach Amerika, Mittelamerika und Südamerika aus. Mal legal mal illegal. Für bestimmte Gegenden Lateinamerikas war die kanarische Auswanderung entscheidend für ihre Besiedlung. Die meisten Canarios wanderten nach Venezuela, Kuba und Hispaniola (Haiti und Dominikanische Republik) aus. Gründe für die Emigration von den Kanarischen Inseln gab es immer. Die Bevölkerung wuchs zu stark an. Die Kanaren wurden immer wieder von Piraten und Korsaren  angegriffen. Vulkanausbrüche und Dürrezeiten bescherten Hungersnöte. Seit 1670 emigrierten viele Canarios nach Venezuela.  Im 18. Jahrhunderten wanderten viele Canarios nach Louisiana aus. Während des Zweiten Weltkrieges und des Spanischen Bürgerkrieges fand die letzte große illegale Auswanderungswelle statt, damals emigrierten die Canarios hauptsächlich nach Venezuela. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurde die Emigration legalisiert und von den seinerzeit 700.000 Einwohnern emigrierten 100.000 nach Venezuela. Seitdem wird Venezuela die  8. Insel der Kanaren genannt. Nachdem das Leben in Venezuela immer schwieriger wird, sind viele Auswanderer, oder deren Kinder und Enkelkinder mittlerweile wieder nach Spanien zurückgekehrt oder versuchen es.  Die größte Rückkehrer Welle begann 1989.

 

Venezolaner auf Teneriffa

Nach Teneriffa wandern die meisten Rückkehrer und Migranten aus Venezuela nach Spanien aus. Nach Schätzungen des Vorsitzenden der „Unión Canaria Venezolana“, Augustin Rodríguez, wollen 4.000.000 Venezolaner das marode Land verlassen. Auf den Kanaren, in Spanien und überall auf der Welt,  leben Rentner aus Venezuela, die seit 3 Jahren keine Rente mehr bezogen haben. Seitdem die Regierung von Venezuela beschlossen hat, den Rentnern die im Ausland leben, keine Rente mehr zu bezahlen. Daraufhin hat die Kanarische Regierung genehmigt, ihren venezolanischen Rückwanderern zu helfen und allen Personen über 65 Jahren eine staatliche Hilfe über 530 Euro monatlich zu bezahlen. Um in den Genuss der kanarischen Hilfe zu kommen müssen die Pensionäre ihren Erstwohnsitz auf den Kanaren haben und mindestens seit Dezember 2015 keine Rente mehr erhalten haben. Dabei fällt es der Kanarischen Regierung sicherlich nicht leicht, dieses Geld Monat für Monat aufzubringen. Auf den Kanarischen Inseln leben ca. 3.000 Rentner aus Venezuela. Erschwerend kommt hinzu, dass einige der Rentner keinen Anspruch auf die medizinische Versorgung seitens der Seguridad Social haben und sich ihre Medikamente nicht mehr leisten können.

Derzeit ist auch noch nicht sichergestellt, ob die Kanarische Regierung im kommenden Jahr diese Zahlungen wieder genehmigen wird. Viele Rentner hoffen, dass sich die venezolanische Regierung künftig wieder bereit erklären wird, die Renten zu zahlen und ins Ausland zu überweisen. Jedoch steigt die Inflation in Venezuela stetig an.

 

 

Der größte Exodus Südamerikas

Die Krise in Venezuela scheint sich drastisch zuzuspitzen. Immer mehr Venezolaner versuchen das Land zu verlassen. Eines der Ziele auf der Flucht vor Armut, Korruption und politischer Verfolgung ist Spanien. Seit 2016 führt Venezuela die Liste der Herkunftsländer von Asylbewerbern in Spanien an. 2016 wurden 4.200 Asylanträge eingereicht, 2017 waren es bereits 10.350. In diesem Jahr waren es bis August schon 13.000 Anträge. 

Voraussichtlich wird sich die Lage in Venezuela weiter zuspitzen. Die UN vermutet derzeit 2,3 Millionen Venezolaner in der Emigration. Es könnte sich um den größten Exodus Lateinamerikas handeln. Viele Menschen sind resigniert und versuchen nach der letzten Wahl das Land zu verlassen. Sie versuchen zu Tausenden über Kolumbien und Ecuador in andere südamerikanische Länder zu emigrieren. Man spricht von 3 Flüchtlingswellen: Im Jahr 2.000 (1998 wurde Hugo Chaves gewählt) verließen die reichen Bürger das Land, im Jahr 2002 (nach dem gescheiterten Putsch)  folgte dann die Mittelschicht und jetzt versuchen auch die Armen das Land zu verlassen. Viele der derzeitigen Flüchtlinge verfügen über keinerlei finanzielle Mittel und bleiben hinter den Grenzen in Brasilien, Kolumbien und Ecuador stecken, was wiederum zu Problemen in diesen Ländern führt und die dortigen Bürger bereits massiv gegen die Flüchtlinge vorgehen. Seit Maduro 2014 die Macht in Venezuela übernommen hat, steigt die Auswanderung kontinuierlich an. Insgesamt sollen sich bereits 2,3 Millionen Venezolaner im Ausland befinden, ein Großteil in Kolumbien und Brasilien. Insgesamt 1,6 Millionen Venezolaner haben ihr Land erst ab 2015 verlassen.

 

Staatspräsident Nicolás Maduro Moros

Seit Nicolas Maduro Moros 2013 die Regierung von dem verstorbenen Hugo Chávez an sich nahm, geht es dem Land immer schlechter. Eines der größten Probleme dabei ist die Nationalwährung. Die Hälfte der Bevälkerung ist bei der Regierung angestellt. Durch das Drucken neuer Geldscheine wächst die Inflation rasend schnell. Trotz seiner riesigen Ölreserven gehört Venezuela derzeit zu den ärmsten Ländern Südamerikas. Die Bevölkerung hat die verordneten Maßnahmen seitens der Regierung Maduro-Diät getauft. Die Papierscheine  verlieren so schnell an Wert und werden so schnell nachgedruckt, dass das Geld schon gewogen werden muss. Der Bolivar verliert stündlich an Wert.

Bürger die das Land verlassen wollen, müssen angeben wohin sie für wie lange reisen. Zusätzlich sind Banken dazu verpflichtet, die IP-Adressen und finanziellen Details ausländischer Zugriffe auf Bankkonten preiszugeben.

In einer Erklärung zu der Emigration seiner Landsleute, hat Staatspräsident Maduro, erst vor kurzem seinen Anhängern noch erklärt, dass Kolumbien, aufgrund des jahrzehntelangen Bürgerkrieges ein unsicheres und marodes Land sei. Im Gegensatz zu Venezuela gibt es dort keine kostenlose staatliche Krankenversorgung. Über 10.000.000 Kolumbianer sind vor Hunger und Arbeitslosigkeit aus dem land geflüchtet. In Venezuela lebten derzeit 5.7 Millionen Kolumbianer und deren Zahl wachse ständig.

Um  Venezuela und seinen Bolivar wieder zu stabilisieren hat Maduro im Februar eine neue Währung herausgebracht, die Kryptowährung Petro. Venezolanische Banken sind dazu verpflichtet, auch die nationale Kryptowährung, den Petro, zu akzeptieren. Gehälter werden in Zukunft auch in Petro ausgezahlt. Jeder Venzolaner bekommt eine Plastikkarte auf der sein Petro gespeichert wird. Der Gegenwert soll durch die Goldreserven des Staates und die Ölreserven des Landes abgesichert werden. Jedoch bleiben die Goldbarren wo sie sind. Ab September wird das Mindestgehalt angehoben.

Jetzt hat Maduro eine deutsche Druckerei damit beauftragt neue Geldscheine zu drucken, bei denen einfach ein paar Nullen gestrichen werden. Wahrscheinlich ist das neu gedruckte Geld schon nichts mehr wert wenn es im Land ankommt.

 

Spanien ist das Lieblingsland der südamerikanischen Migranten.

Die Zahl der legal in Spanien lebenden Südamerikaner betrug im Jahr 1999 100.000 Personen. 10 Jahre später, 2009, waren es bereits 1.6 Millionen Menschen. In der Zeit der spanischen Wirtschaftskrise halbierte sich die Zahl der südamerikanischen Migranten wieder. Derzeit leben ca. 95.000 Migranten aus Venezuela in Spanien, dazu kommt noch eine hohe Dunkelziffer illegal im Land lebender Venezolaner. Nach Spanien sind so viele Venezolaner geflohen wie in kein anderes Land Europas. Viele von ihnen sind hochqualifiziert, aber haben im spanischen System kaum eine Chance. Auf der anderen Seite des Mittelmeeres warten ca. 50.000 Flüchtlinge aus Afrika um nach Spanien zu gelangen. Viele versuchen es über die Enklaven Ceuta und Melilla in Marokko. Wie viele Migranten kann Spanien noch aufnehmen?

 

Südamerika und die Flüchltinge

In den 60er und 70er Jahren, während des Ölboom, haben wiederum fast 4 Millionen Kolumbianer in Venezuela gearbeitet und dort die niederen Arbeiten verrichtet. Dabei blickten die Venezolaner hochmütig auf die Gastarbeiter hinab und nun kommen diese Menschen als mittellose Flüchtlinge nach Kolumbien und nehmen der dortigen Bevölkerung die Arbeitsplätze weg. In Brasilien kam es bereits zu Übergriffen gegen die venezolanischen Flüchtlinge.

 

Viele Länder Südamerikas lassen die Venezolaner nicht mehr ohne gültigen Reisepass einreisen. In Südamerika gibt es den sogenannten Andenpakt, mit dem die Bürger nur einen gültigen Personalausweis für den Grenzübertritt benötigen. Jedoch ist Venezuela, unter Hugo Chavez, aus dem Andenpakt ausgetreten, so dass die Venezolaner nun ohne einen gültigen Reisepass keine Grenzen mehr passieren dürften. Aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen haben Ecuador und Peru jetzt Passkontrollen eingeführt und wollen pro Tag maximal 4.000 Flüchtlinge ins Land lassen. Viele Flüchtlinge wollen weder in Peru noch in Ecuador bleiben, sondern weiter nach Argentinien und Chile ziehen.

 

 

Südamerika sucht eine gemeinsame Lösung

Im September 2018 wollen sich die Nachbarländer Venezuelas zusammensetzen und eine gemeinsame Lösung finden. Kolumbien fordert einen Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen. Im Gegensatz zu Europa haben die Flüchtlinge in Lateinamerika den Vorteil, dass sie dieselbe Sprache sprechen, die gleiche Kultur haben und oft über verwandtschaftliche Beziehungen verfügen.

 

 

Es wird sich bald zeigen ob die Südamerikaner mit der Flüchtlingskrise besser umzugehen wissen als die Europäer.

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